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Die Mar-A-Lago-Vereinbarung: Amerikas hochkarätiges Machtspiel zur Neuformulierung der globalen Finanzwelt

Stellen Sie sich eine Welt vor, in der der US-Dollar nicht mehr die unangefochtene Leitwährung ist. In ausländischen Regierungen, die einst darauf erpicht waren, US-Staatsanleihen zu horten, stattdessen gezwungen sind, die von Washington diktierten finanziellen Bedingungen zu akzeptieren. Wo Wirtschaftsdiplomatie nicht mehr ein delikater Balanceakt ist, sondern ein hartes Spiel, das in den goldenen Hallen von Mar-a-Lago ausgetragen wird. Dies ist nach Ansicht seiner Befürworter die Zukunft, die das so genannte Mar-A-Lago-Abkommen verspricht, eine radikale Umstrukturierung der globalen Handels- und Währungsbeziehungen, die das Spielfeld wieder zu Gunsten der Vereinigten Staaten kippen soll.

Einst als exzentrische Idee einer Handvoll Wirtschaftsnationalisten abgetan, hat das Konzept nun die Wall Street erfasst. Anleger und politische Entscheidungsträger rätseln gleichermassen, ob es einen tiefgreifenden Wandel in der US-Strategie darstellt oder ein hochriskantes Spiel, das die globale Finanzstabilität erschüttern könnte. Klar ist jedoch, dass es sich bei der Mar-A-Lago-Vereinbarung nicht um ein "business as usual" handelt. Im Kern ist es ein bewusster Versuch, den Dollar zu schwächen, die globalen Kapitalströme neu auszurichten und Amerikas Handelspartner zu zwingen, mehr von der wirtschaftlichen Last zu tragen, die mit Washingtons finanzieller und sicherheitspolitischer Hegemonie einhergeht.

Ein grosser Deal - oder ein wirtschaftliches Ultimatum?

Die Mar-A-Lago-Vereinbarung ist im Wesentlichen eine Reaktion auf das vermeintliche Scheitern der Globalisierung. Jahrelang akzeptierten die aufeinanderfolgenden US-Regierungen, dass die anhaltenden Handelsdefizite Amerikas eine notwendige Folge der Rolle des Dollars als Weltreservewährung waren. Dieses System, das im Rahmen des Bretton-Woods-Abkommens der Nachkriegszeit entwickelt wurde, sorgte dafür, dass der globale Handel auf Dollarbasis ablief und es den USA ermöglichte, billige Kredite aufzunehmen und Waren zu niedrigen Preisen zu importieren. Für die derzeitige Regierung ist diese Dynamik jedoch nicht mehr tragbar. Washington ist der Ansicht, dass die USA die globale Ordnung militärisch und finanziell ohne angemessene Gegenleistung unterstützen.

Nach dem vorgeschlagenen Rahmen würden wichtige Handelspartner der USA, darunter China, Japan und die Europäische Union, dazu gedrängt, aktiv einen schwächeren Dollar zu schaffen, um den Welthandel wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Dies könnte verschiedene Formen annehmen, die von direkten Währungsinterventionen bis hin zu fiskalischen Expansionen in Überschussländern reichen. Noch umstrittener ist, dass der Plan auch eine erzwungene Umstrukturierung der US-Schulden vorsieht, bei der ausländische Gläubiger verpflichtet wären, ihre liquiden Staatsanleihen gegen langfristige, nicht handelbare "Jahrhundertanleihen" zu tauschen. Der Grundgedanke ist klar: Wenn die Welt Zugang zu amerikanischer Sicherheit und amerikanischen Märkten haben will, muss sie einen höheren Preis zahlen.

Lehren aus der Vergangenheit: Die Abkommen von Plaza und Louvre

Es gibt historische Präzedenzfälle für Währungsanpassungen dieser Grössenordnung. Der berühmteste war das Plaza-Abkommen von 1985, bei dem die USA ihre G5-Partner - Japan, Deutschland, Frankreich und das Vereinigte Königreich - überredeten, auf den Devisenmärkten zu intervenieren, um den Dollar abzuwerten. Das Abkommen führte zwar zu einer Verringerung des US-Handelsdefizits, hatte aber auch unbeabsichtigte Folgen, wie z. B. die spekulative Vermögensblase in Japan, die schliesslich platzte und zu einem Jahrzehnt der Stagnation führte.

Zwei Jahre später wurde mit dem Louvre-Abkommen versucht, den Dollar zu stabilisieren, allerdings mit begrenztem Erfolg. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Finanzmärkte bereits begonnen, strukturelle Verschiebungen im Welthandel einzupreisen, was die Grenzen staatlicher Interventionen auf den Devisenmärkten aufzeigte. Diese Vorfälle unterstreichen eine wichtige Lektion: Währungsdiplomatie ist anfällig, und wenn die Bemühungen um eine Neuausrichtung erst einmal greifen, entziehen sie sich oft der Kontrolle der politischen Entscheidungsträger.

Die Mar-A-Lago-Vereinbarung ist jedoch grundlegend anders. Im Gegensatz zum Plaza-Abkommen, das auf gegenseitiger Zusammenarbeit beruhte, setzt dieser Plan auf Zwang. Washington strebt keinen Konsens an, sondern fordert die Einhaltung der Vereinbarung: Handelszugang, Militärbündnisse und sogar die finanzielle Infrastruktur werden als Druckmittel eingesetzt.

Die Schwachstellen des Plans

Während die Architekten des Plans argumentieren, dass er die Dominanz der amerikanischen Produktion wiederherstellen und die Schuldenlast der Nation verringern wird, sind die potenziellen Risiken immens. Wenn wichtige ausländische Gläubiger gezwungen werden, nicht marktfähige Anleihen zu akzeptieren, könnte dies das Vertrauen in US-Staatsanleihen erschüttern und die Kreditkosten in die Höhe treiben, anstatt sie zu senken. Wenn Investoren beginnen, an der Liquidität von US-Schulden zu zweifeln, könnten sie ihre Diversifizierungsbemühungen beschleunigen und damit genau den Prozess der Entdollarisierung beschleunigen, den die Vereinbarung verhindern soll.

Ausserdem ist ein schwächerer Dollar nicht unbedingt ein Gewinn für die US-Wirtschaft. Eine Abwertung des Dollars kann zwar die Wettbewerbsfähigkeit der Exporte verbessern, könnte aber auch die Inflation anheizen und die Kosten für amerikanische Verbraucher und Unternehmen, die auf ausländische Lieferketten angewiesen sind, erhöhen. Ausserdem stärken Zölle, das andere bevorzugte Instrument der Regierung, den Dollar eher, als dass sie ihn schwächen, da sie Kapitalzuflüsse in US-Anlagen fördern.

Geopolitisch gesehen ist das umstrittenste Element des Abkommens die Doktrin "Sicherheit gegen Finanzierung", d.h. die Idee, dass der militärische Schutz der USA einen finanziellen Preis haben sollte. Während einige Verbündete dem zustimmen könnten, könnten andere, insbesondere in Europa und Asien, dies als Gelegenheit sehen, ihre eigene strategische Autonomie zu stärken und die Abhängigkeit von den US-amerikanischen Militär- und Finanzsystemen zu verringern.

Ein Spiel mit hohem Einsatz und ungewissem Ausgang

Das Mar-A-Lago-Abkommen ist nicht nur ein währungspolitischer Vorschlag, sondern eine geopolitische Doktrin. Er stellt eine grundlegende Veränderung in der Art und Weise dar, wie die USA ihre Wirtschaftsbeziehungen betrachten - nicht als Partnerschaften, sondern als Transaktionen, die zu Washingtons Bedingungen neu verhandelt werden.

Wenn sie erfolgreich ist, könnte sie ein günstigeres wirtschaftliches Umfeld für die US-Industrie schaffen, das Handelsdefizit verringern und die langfristigen Kreditkosten senken. Sollte er jedoch scheitern, könnte dies schwerwiegende Folgen haben: Kapitalflucht aus den US-Märkten, wirtschaftspolitische Vergeltungsmassnahmen und die allmähliche Aushöhlung der Rolle des Dollars als wichtigste Reservewährung der Welt.

Die Geschichte zeigt, dass wirtschaftliche Neuordnungen selten wie geplant verlaufen. Die globale Finanzordnung beruht nicht auf einseitigen Forderungen, sondern auf Vertrauen, Stabilität und Vertrauen in die Spielregeln. Wenn das Mar-A-Lago-Abkommen dieses Gleichgewicht stört, wird möglicherweise nicht Washington als Gewinner hervorgehen, sondern diejenigen, die eine Alternative zu seiner Dominanz suchen.

Im Moment beobachten die Weltmärkte die Entwicklung. Die Frage ist nicht nur, ob die Mar-A-Lago-Vereinbarung umgesetzt wird, sondern auch, ob die Welt bereit ist, sich an ihre Regeln zu halten.

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